25. August – 10. September

Urlaub 2017

Samstag 26.8.2017 Was ist ein echter Urlaub ohne Totalstress zu Beginn desselben? Gelogen. Unser ist megastressig, ganz ehrlich. Von allen vorher zu erledigenden Dingen will ich nicht reden. Auch drohende Termine während der kommenden 14 Tage drücke ich einfach mal weg. 14 Tage mal offline sollten selbst armen Schweinen wie mir zugestanden sein. Geplant war ein Start so vielleicht 2 oder 3 Uhr am Samstag, den Freitag haben wir uns schon freiwillig geklemmt. Los kommen wir aber erst nach Tonis Leerlaufproblem und meinen Warentermingeschäften mit Finanzamt und anderen Gläubigern so 18 Uhr, wir müssen mein Fahrrad aber noch in Hattingen abholen und fahren dann aber mal ganz entspannt gen Friesland. Heute werden wir wohl in Tergrêft übernachten, es wird dunkel sein bei unserer Ankunft. Kurz vor Heerenveen ruft Klaus an. Sie haben mit dem Essen auf uns gewartet, erwischen mich damit auf dem völlig falschen Fuß. Letztes Mal hatte ich das wohl falsch verstanden mit ihrem Abreisetag. Da hätten wir uns ja doch bischen was beeilen können. Trotz Räder hintendrauf. Schade. So sehen wir sie nur noch kurz zum Hallo sagen und auf ein kleines Stückchen mittlerweile kalte Pizza. In Tergrêft wird nur noch das Nötigste eingeladen, der Rest muss bis morgen warten.

Sonntag, 27.08.2017 Heute wird gebastelt, schließlich muss der frisch eingebaute Kühlschrank auch mit 12 Volt funktionieren und er braucht ein abdeckendes Brett, das auch ordentlich belastbar sein muss. Hier muss die Klappkiste mit den Vorräten abgestellt werden. Aber erst die Elektrik. Der Solar-Controler schaltet beim Einschaltstrom von Kühlschrank und von der Druckwasserpumpe immer sofort ab. Soll ja nicht sein, also habe ich vor, ein Lastrelais dazwischen zu schalten, das unter der 12V-Unterverteilung Platz findet. Klappt dann auch gut – die Einschaltspitzen wirken sich jetzt nicht mehr auf den Controler aus, er schaltet aber trotzdem korrekt beim Unterschreiten der Grenz-Spannung von 10,7V die Verbraucher ab.
Die 12V-Verkabelung für den Kühlschrank ist da schon einfacher – lediglich der Kabelquerschnitt ist eher knapp. Da muss mal was solides her – bei Gelegenheit muss ich mal 12V-Verlegekabel in hinreichender Qualität und Menge besorgen. Das Brett oberhalb des neuen Kühlschranks ist leider nur suboptimal – zwar passt die rechte Auflage super, auch die Tiefe ist mit 40cm ok, es bleiben aber zwei kreisrunde Löcher, die nicht wirklich kleidsam erscheinen. OK, mag ich ein Pingel sein, aber ich bin mit der Optik nicht zufrieden, da muss mal ein anderes Brett her. Besser gelingt mir da die Lösung für die Klappe zum Bunker. Die geht mit dem Kühlschrankbrett nämlich nicht mehr richtig auf. Hier säge ich einen Streifen ab und füge ihn mit Scharnieren wieder an, so dass er beim Öffnen wegklappen kann. Das ist wirklich nicht schlecht, klappt auch super.
Spät nachmittags fahren wir dann mit den Rädern die kurze Strecke nach Bartlehiem um Monika und Hans zu besuchen und natürlich um einen Kaffee zu trinken. Das neue Haus scheint soweit im Plan zu sein – Estrich ist drin, die Fußböden können rein und dann muss alles angestrichen werden. Bis Oktober wird’s gewiss eng, aber Hans meint es sei zu schaffen. Wir beschließen, noch am Abend nach Burdaard zu fahren, auch wenn die Brücke sicher schon geschlossen ist, aber mit 230V ist der Kühlschrank effektiver zu betreiben und ich kann nochmal alle Akkus laden. Das scheint nämlich seit der Umschaltmöglichkeit für die Bordbatterien ein Problem zu sein – die Lichtmaschine lädt offensichtlich die Akkus nicht mehr – der Ladestrom zeigt immer eine Null.

Montag, 28.08.2017 Der erste ruhige Morgen in diesem Urlaub, aber gleich auch das erste doofe Problem – ich werde krank. Eine grippale Nummer mit Schnupfen und Husten und dämlichen Kopfschmerzen. Ab Mittags, wir schaffen es noch so eben in den Hafen, liege ich flach. Mit einem Start Richtung Harlingen wie geplant wird das heute leider nix.

Dienstag, 29.8.2017 Immer noch geht es mir schlecht heute, ich fühle mich, als käme leichtes Fieber dazu. Wir lassen es also langsam angehen, ist ja auch keiner da von unseren Freunden. Karen fährt nochmal mit dem Fahrrad zum Auto, um das eine oder andere zu holen, ich bleibe an Bord und spiele Hauptdarsteller auf dem Lazarettschiff. Am Abend bin ich soweit fit, dass wir mit dem Boot nach Bartlehiem fahren und um 17 Uhr bei Hans und Monika aufschlagen. Nur Monika ist da und wir quatschen bischen.

Mittwoch, 30.8.2017 Mir geht’s schon wieder ein wenig besser und Karen hat sich meine Erkältung offenbar gut vom Hals gehalten. Nach Kaffee bei H&M machen wir uns um 14 Uhr auf den Weg über Oude Leije und Berlikum nach Ried, kurz vor Franeker. Das Wetter ist miserabel, dauernd schlechte Sicht durch beschlagene Scheiben und ausgerechnet als wir in Ried anlegen muss es wie aus Eimern schütten. Dafür ist die pitschnasse Hafenmeisterin total nett, die wir – Regen hin, nasse Füße her – sofort herein bitten zum Abkassieren. Strom scheint in Ried rar und exklusiv zu sein, auch drei Euro reichen hier nicht, um den Kühlschrank die Nacht über zu betreiben. Sonderbar, da muss was kaputt sein. Wir haben Kontakt zu W&U und verabreden uns für den kommenden Tag in Franeker. Zwischendurch konferiere ich permanent mit meinen Söhnen über ihre jeweiligen Autoprobleme. Robert braucht neue Reifen und Paul eine neue Karosserie. Aber Robert scheint wild entschlossen, am Wochenende mit Sabrina hierher zu kommen, Reifen hin oder her. Wäre ja super.

Donnerstag, 31.8.2017 Ohne langes Fackeln fahren wir morgens nach Franeker, ist auch nicht mehr weit und wir machen sofort am Altstadtring fest. Ist eine gute Entscheidung. W&U brauchen noch ein bisschen und so erlaufen wir uns die hübsche kleine Stadt. In der beeindruckend langen Kirche bestaunen wir die restaurierte Holzdecke und lesen in einem Kirchenprospekt vom bunten Nagekäfer, der dort sein Unwesen getrieben hat. Am späten Nachmittag lotsen wir die Holsteiner auf den LIDL-Parkplatz, der für ihr Wohnmobil hervorragend geeignet ist. Wir trinken erst mal Kaffee und Tee bei leckeren Rosinenbrötchen auf dem Sonnendeck von Paromato. Für einen Besuch im antiken Planetarium ist es zu spät, das machen wir dann morgen. Aber wir laufen gemeinsam durch den Ort und kaufen für das gemeinsame Abendessen ein. Gegessen wird heute an Bord des WoMo, leckere Gemüsepfanne a la Ulrike. Beim Weg nach Hause – also auf’s Boot – finden wir das Toilet-Gebouw – unauffällig am Kanal in die Wohnbebauung integriert, da können wir morgen schön duschen.

Freitag, 1.9.2017 Früh morgens nach der Dusche treffe ich den Hafenmeister, er war wohl schon gestern einige Male am Boot, wir aber mit W&U unterwegs. Heute wollen wir das Planetarium in Franeker besichtigen. Das hatte ich mal mit Holger und Klaus besichtigt als wir mit dem Shantychor auf der ALIDA unterwegs nach Terschelling waren. Ist aber jetzt schon so lange her, dass ich kaum mehr Erinnerung an die wirklich interessante Konstruktion habe. Die Decke in seinem Wohnzimmer hat sich Eise Eisinga seinerzeit umgebaut mit einem riesigen Planetensystem. Alle damals bekannten Planeten ziehen seit anno tuk hier ihre Bahnen – angetrieben von einem zentralen Uhrwerk, was man natürlich immer wieder aufziehen muss. Beeindruckend. Wir bleiben lange und schauen uns das bewundernd an. Nach Kaffee und Kuchen im Cafe von Eise Eisinga machen wir uns um halb 3 auf den Weg nach Harlingen, W&U im WoMo, wir mit dem Boot und finden direkt an der Schleuseneinfahrt des Harinxma-Kanals die Einfahrt zum Jachthafen. Da ist der Teufel los, in Harlingen sind Fischereitage, die wohl am Mittwoch bereits begonnen haben, der Hafenmeister hat aber weit hinten noch zwei Plätze, wie er meint. In der Tat gibt es genau einen für uns knapp passenden Platz, in den ich aber ganz gut das alte Bootje einpassen und festmachen kann. Wir buchen gleich für zwei Tage – wenn nachher noch Robert und Sabrina kommen, dann besser keinen Ortswechsel mehr. Wir liegen im Grunde mitten in der Stadt. W&U haben auch einen Platz auf dem Campingplatz gefunden, der wie wir vorher schon auf der Karte gesehen haben, etwa anderthalb Kilometer südlich liegt und wir treffen uns in Hafennähe – alle mit dem Rad. Auf unserer Erkundungstour sehe ich im Nieuwe Willemshaven die ALIDA aus dem Heimathafen Zwolle liegen! Witziger Zufall.

Wir suchen uns zunächst mal was auf die Gabel und kehren dann im Fischlokal auf der Voorstraat ein. Diesmal bin ich fällig und bestelle mir Kibbeling mit Fritten – keine Offenbarung, aber essbar. Dabei lotsen wir telefonisch Robert und Sabrina auf den Campingplatz und treffen uns dort mit ihnen, um erst mal ihr Zelt aufzubauen. Aber die Rezeption ist dicht. Und die beiden beschließen, im Auto zu nächtigen. Also stellen sie ihren berühmten Benz erst mal bei ALDI ab und wir machen noch einen Gang durchs Harlinger Getümmel. Wir planen für den nächsten Tag einen Ausflug und verabreden uns zum Bootsfrühstück.

Samstag, 2.9.2017 Der Tag beginnt gewohnt gemütlich. Als dann Robert und Sabrina zum Frühstück erscheinen, gibt’s friesische Brötchen (für die aber keine Provinz besonders berühmt werden könnte), Kaffee & Tee und der Tag hat erst mal schon gewonnen. W&U kommen mit ihren Rädern, stellen sie hier neben unseren ab. Mit dem Hafenmeister hatte ich unseren Ausflug geklärt – ob aber die Brücke im Jachthafen um 17 oder 18 Uhr noch geöffnet sein wird, scheint ihm eher fraglich, schließlich wolle er selbst auch auf das Stadtfest… aber vor genau dieser Brücke könnten wir unser Boot dann festmachen – ist doch mal ein Plan. Zuerst wollten wir Richtung Bolsward einen Rundtörn starten, ich stelle dann aber fest, dass allein in Harlingen 5 bewegliche Brücken auf uns warten – das ist mir zu aufwendig, wir disponieren blitzschnell um auf einen Besuch in Franeker – alle sind einverstanden. Das ist zwar ein wenig eintöniges geradeaus, aber für die Ruhrgebietsmatrosen ist ja alles neu und mir scheint, sie genießen die Zeit – das Wetter spielt auch mit. Franeker erlaufen wir uns vom Stadthafen dann zu Fuß, trinken in der Nähe der Kirche einen Kaffee bei bluesiger Livemusik von The Mudbirds und fahren dann gemütlich zurück. Da die beiden noch einen langen Weg vor sich haben, lasse ich Paromato mal auf 1700 laufen, und wir sind auch kurz nach 5 wieder zurück – die Brücke ist sogar noch offen, so dass wir unseren alten Liegeplatz wieder einnehmen können. Robert und Sabrina verabschieden sich um nach Hause zu fahren, wir 4 schwingen uns auf und schauen, was noch so los ist in Harlingen. Wir laufen Richtung Fischereihafen, wir haben, als wir mit dem Boot vom Ausflug gekommen sind, auf der Schleusenbrücke reges hin und herlaufen sehen. Aber jetzt unterwegs können wir schon in der Stadt erkennen, dass die Fischereitage offenbar bereits zu Ende gehen, jetzt wird überall abgebaut. An wenigen Stellen ist noch Getümmel und Stimmung. Richtung Fischereihafen jedenfalls bewegt sich nichts mehr, wir gehen auch nur bis zur Schleuse und schauen eine Weile dem Treiben zu. Zurück in der Stadt meldet sich der ein oder andere Magen, wir finden kaum noch ein Speiselokal im Normalbetrieb, obwohl die Hauptfutterzeit gerade angebrochen sein sollte. Es gibt dann doch noch was auf die Gabel – Karen und ich beschließen, auf das abschließende Feuerwerk zu verzichten und wir verziehen uns aufs Boot. Werner und Ulrike verlassen uns, sie wollen morgen ein neues Ziel in Friesland suchen, wir bleiben in Kontakt.

Sonntag, 3.9.2017 Gemächlicher Beginn, Werner holt die letzten vergessenen Sachen von Bord und wir brechen spät um 13.15 Uhr auf nach Süden Richtung Bolsward. Die Hafenmeisterin telefoniert mit den Brückenwärtern und gleich zwei nette Männer kümmern sich darum – von Brücke zu Brücke. Es sind schließlich fünf unterschiedlichste Brücken, die extra für Paromato gehoben oder verschwenkt werden müssen, damit wir Harlingen verlassen können. Es folgt eine schöne kurvenreiche Strecke, ein richtig enger Kanal mit engen Brückendurchfahrten. Wir machen Halt in Witmarsum und finden dort tatsächlich ein geöffnetes Eetcafe an der riesigen Kirche. Nach einem Gang durch den Ort fahren wir weiter und kurven durch den engen Ortskanal – gut dass uns hier keiner entgegenkommt! Auch der folgende Streckenabschnitt bleibt eng und kurvenreich mit Brücken in der Kurve. Wir fahren bis Schettens, einem ganz kleinen Nest, legen uns dort um 17.30 Uhr an einen Marrekrite-Anleger und bleiben hier für die Nacht. Gleich nebenan gibt’s eine Wiese mit 4 Eseln, lustige Tiere, aber auch weit weg vom Singvogel…

Montag, 4.9.2017 Es geht heute mal früh und ungefrühstückt so um 10 Uhr weiter nach Bolsward, auch weil menschliche Bedürfnisse drängen – ist ja nicht mehr weit. Vor Bolsward lernen wir einen neuen Typ Selbstbedienungsbrücke kennen, eigentlich eine logische und simple Nummer. In Bolsward (11.00 Uhr) müssen wir den Brückenwärter anrufen, der aber auch sofort mit seinem Moped erscheint und uns die St.-Jozef-Brücke öffnet. Wir legen dahinter sofort an und erkunden die alte Hansestadt mit den Fahrrädern, finden sogar das Toilet-Gebouw noch geöffnet vor. In der Martinikirche gibt es einen Gebrauchtbüchermarkt, wo ich einige alte Autoprospekte auf niederländisch erwerbe – Volvo und VW. Wie immer landen wir in einem netten Cafe bei Capuccino und warmer Chokomelk. Bei guter Gelegenheit, nachdem wir das ausgefallene Frühstück nachgeholt haben, legen wir Paromato um, wir passieren dabei eine Hebe-Brücke und brauchen uns danach nicht mehr um Brückenöffnungen zu kümmern – die letzte verbleibende Brücke in Bolsward ist ausreichend hoch. Irgendwann finden wir auch den Jumbo und füllen unsere Teewasser-Vorräte wieder auf – den Trinkwassertank zu füllen gelingt uns leider nicht, der entsprechende Platz am Anleger ist immer besetzt. So verlassen wir Bolsward um halb 4, Ulrike hat sich per SMS gemeldet, sie sind in Woudsend gelandet, das ist wohl für uns nicht zu schaffen heute. Zumal wir die Brückenpause in Abbegasterketting voll auskosten. Um 16.18 ist Pause bis pünktlich um 17.15 Uhr. Wir nutzen die Zeit für Tee und wirklich leckeren Kuchen, den wir in Bolsward aus dem Cafe mitgenommen haben. Die folgende Strecke ist nicht mehr so interessant, schnurgrade und breit. Nachdem wir aber die letzte bewegliche Brücke in IJlst passiert haben, scheint es doch noch realistisch, Woudsend zu erreichen. Der Jachthafen dort soll groß und gut ausgestattet sein – sagt unsere Literatur. Wir treffen auch tatsächlich vor Einbruch der Dunkelheit in dem kleinen Ort ein, legen kurz am Anmeldesteiger an, aber da ist kein Hafenmeister, niemand. Werner und Ulrike lotsen uns zu ihrem WoMo-Stellplatz, wo wir das Boot festmachen. Das mit dem Hafenmeister muss sich morgen klären. Wir suchen uns ein schönes Restaurant am Kanal und futtern uns die Bäuche rund.

Dienstag, 5.9.2017 Werner wollte uns morgens Brötchen mitbringen, weil er immer so früh wach ist. Wir wollen erst mal ausschlafen und chillen. In der Tat wird es spät mit dem Frühstück, wieder mit leckerem Obstsalat in Joghurt. In der Nacht hat es geregnet, vielleicht ist das schöne Wetter bald zu ende, da wollen wir mit W&U doch noch einen schönen Ausflug machen und dabei schon ein Stück Weg in Richtung Heimathafen machen. Sneek oder Ijlst scheinen beide geeignet, so dass die beiden dann mit ihren Rädern zurück und wir weiter fahren können. Beim Hafenmeisterbüro treffe ich am Morgen doch noch jemanden an und bezahle meine Schulden – nur die gestrige Dusche und den Strom schnorren wir. Dusche und Strom ist für Campingplatz-Nutzer im Preis enthalten, Bootswanderer müssen fast überall in Friesland dafür extra bezahlen. Selbst für das Wasser, das wir beim Start in den Ausflug noch schnell bunkern, müssen wir 50 Cent in den Zapfautomaten werfen.

Der Ausflug wird interessant und schön, ein Teil des Weges geht über den Prinses-Margriet-Kanal, dessen Fahrrinne mit Bojen gekennzeichnet ist – immer wieder spannend. Wir fahren letztlich nach Sneek, passieren dort alle beweglichen Brücken und setzen uns in der Innenstadt noch zu Kaffee und Kuchen zusammen. Dann nehmen wir Abschied von W&U – in diesem Urlaub sehen wir sie nicht mehr. Wir beide laufen noch durch die Stadt, kaufen eine schöne neue Salatschüssel und bei JUMBO noch paar Lebensmittel und fahren dann einige Kilometer nach Osten auf das Sneeker Meer, um dort das kommende Un-, mindestens aber Scheißwetter zu erwarten. Nachdem es bei JUMBO nun keinen Wein gab, der uns gefiel, öffnet Karen den Top-Urlaubswein, den Weihnachts-Primitivo von 2016. Da kann auch ich nicht widerstehen – er hält, was ich mir beim Kauf versprochen habe, ausgewogene Fruchtnoten, angenehm im Abgang, ein schwerer, alkoholischer Kracher. Mal sehen, was morgen mein Kopf dazu sagt…

Mittwoch, 6.9.2017 Das richtige Scheißwetter ist am Vormittag eigentlich schon wieder vorbei. Es regnet zwar immer mal wieder, aber nicht unwetterartig, eher normale Schauer. Wir liegen ganz schön, zwar in Sichtweite des Prinses-Margriet-Kanals, aber eben hinreichend abseits und einigermaßen windgeschützt. Paromato quittiert die Unruhe durch vorbeifahrende Schiffe – und da sind große Pötte dabei – mit vernehmlicher Schaukelei. Mein Kopf hat den gestrigen Wein gut überstanden, so kann ich mich entspannt der Elektrik widmen. Ein Lade-Relais für Bordbatterie Nr. 3 fehlt ja noch und ich habe einige Hochlastrelais mitgebracht. Am Ende kann ich nun alle Batterien wahlweise mit dem Strom der Lichtmaschine laden – nutzen als Bordbatterie konnte ich sie ja schon vorher. Wir beschließen, weiter zu fahren – das Wetter zwingt uns jedenfalls nicht dazu, hier zu bleiben – und so versuchen wir Grou oder wenigstens Akkrum zu erreichen. Dazu queren wir das Sneeker Meer, bei steifer Brise und rauer, aber doch friedlicher See. Schön hier, das Gebiet alleine könnt 14 Tage füllen – Sneek als Einkaufs-Versorgung ist schnell erreicht, auch mit dem Fahrrad, wenn man strategisch günstig anlegt. Wir verlassen das Sneeker Meer Richtung Akkrum, wo wir die 1000,0 im Betriebsstundenzähler erreichen. Wir müssen einige Minuten auf die Brückenöffnungszeit um 17.15 Uhr warten. Also angelegt, Motor aus – aber wieder einmal geht er nicht aus – schon wieder ist das Schaltkabel für das Diesel-Relais abgebrochen. Ich regel das grad provisorisch, und schon geht die Brücke auf, 2 Euro Wegezoll und das pro Brücke in Akkrum. Der Passantenhafen nimmt auch Tagesliegegeld – wir machen schnell, dass wir hier weiterkommen – aber vorher regel ich noch das mit dem Kabel an einem Anleger nach der Akkrumer Spoorbrug. Dazu muss ich den Motor quasi ganz auspacken, was doch einen Moment dauert. Ich schaue bei der Gelegenheit nach dem Ölstand und nach der Bilge – alles ok. Bis Grou ist es nun nicht mehr weit, wir machen kurz vorher auf dem See an einem einsamen Anleger fest – windig und kühl. Das Wetter ist nun definitiv nicht mehr sommerlich, auch draußen an Deck ist es zum Essen zu kalt und zu windig. Aber unterwegs zu sein bei diesem Wetter ist wirklich schön!

Donnerstag, 7.9.2017 Erst machen wir mal einen Plan. Wir beschließen, das mit der Werft in Wergea mal zu probieren, um Paromato mal von unten zu besehen. Hans hatte mir mal die Preisliste kopiert, für das reine rausheben und mal schauen wären wir mit 38 Euro dabei. Also heute entspannt dort ankommen und morgen mal schauen wie sich das entwickelt, ob das spontan überhaupt möglich ist, vielleicht brauchen wir ja auch einen Termin für diese Aktion. Wir fahren erst mal die kurze Strecke nach Grou, legen im Stadthafen an. Liegegeld wird erst ab 16 Uhr fällig, bis dahin sind wir wieder weg. Wir nehmen die Räder und erkunden die Stadt. Hier wird eine Kirmes gerade aufgebaut – in Friesland scheint Party-Zeit zu sein. Das Toilet-Gebouw ist sehr ordentlich und tagsüber geöffnet. Wir holen unser Waschzeug und duschen hier. Dabei helfe ich zusammen mit einem Niederländer einem gestürzten älteren Mann wieder auf die Beine, der einen wirklich gebrechlichen Eindruck macht. Ich hole ihm einen Stuhl aus der Rezeption, da kann er sich erst mal ein wenig erholen. Wir fahren frisch geduscht wieder in den Ort, trinken einen Capuccino und Kakao und fahren dann einkaufen. Um kurz vor 4 geht es wieder weiter, allerdings nur kurz, dann machen wir Essenspause am Kanal bei Rosinenbrötchen mit Marmelade, die wir uns mit einer hungrigen Wespe teilen müssen. Bis Wergea dauert es jetzt nicht mehr lange, wir umfahren den Ort einmal und fahren dann mitten durch zum Anleger. Eine wirklich schöne Ortsdurchfahrt! Dabei kommen wir auch an unserer Werft vorbei, sehen aber dort keine Menschenseele – ist ja auch schon etwa 6 Uhr. Das Anlegen findet unter vielen kritischen Augen statt – wir lassen uns aber mittlerweile auch durch alte Bräsköppe nicht mehr aus der Ruhe bringen und bringen Paromato sicher an die gewünschte Stelle. Nach dem Anlegen fahren wir mit den Rädern zu der Werft und sehen uns das mal aus der Nähe an – aber immer noch kein Mensch in Sicht. Naja, wir werden morgen sehen. Auf der Rückfahrt kommen wir an einer niedlichen Tourismus-Zentrale vorbei mit angeschlossenem Woll-Laden, trauen uns aber nicht rein. Kaum wieder am Schiff kommt auch schon eine Frau aus dem Haus und lädt uns ein, gleich nochmal vorbei zu schauen. Sie scheint hier die Tourismus-Beauftragte des Ortes zu sein, kommt auch wenig später mit einer Tasche voll Info-Material über den Ort an den Booten vorbei – das gibt’s auch nicht überall! Wir besuchen den Laden – gestricktes aller Art, auch selbstgesponnene Wolle gibt es hier zu kaufen. Wir schlagen bei den Wollstrümpfen zu – ein Paar wird allerdings erst morgen früh fertig, macht ja nichts, wir verabreden uns für so 11 Uhr ungefähr. Strom gibt es hier kostenlos – das heißt Strom ist inklusive. Der Hafenmeister kommt mit dem Fahrrad zum kassieren. Das Toilet-Gebouw ist klein und zweckmäßig. Geschirr spülen ist allerdings kompliziert, man kann sich aber heißes Wasser dort zapfen. Zum Essen macht Karen eine leckere Gemüsepfanne mit Reis.

Freitag, 8.9.2017 In der Nacht hat es angefangen ordentlich zu schütten und es regnet noch, als wir aufwachen. Die draußen zum Trocknen aufgehängten Handtücher sind nass wie Schwämme. Trotz Regen nehmen wir unsere Räder und fahren zur Werft. Diesmal haben wir Glück und der Inhaber verspricht uns spontan, Paromato um 13 Uhr mal aus dem Wasser zu heben. Das wäre nach der Brückenpause und passt uns prima in den Plan. Auf dem Rückweg fällt Karen mit dem Rad um, ohne gefahren zu sein, ist aber zum Glück nicht viel passiert. Wir holen die bestellten Strümpfe aus der lokalen Tourismus-Zentrale ab, machen das Boot klar, damit beim rausheben auch nichts durcheinander fällt, und fahren dann pünktlich kurz vor eins durch die Brücke zur Werft. Ist ja schon großes Kino so zum ersten Mal das Boot raus zu heben. Ist am Ende aber total unspektakulär, ich fahre in zwei durchhängende Schlaufen, die von einem Bagger herunterhängen und dann hochgezogen und über Land gedreht werden – mit dem hängenden Boot. Die Inspektion ergibt einen wirklich guten Zustand, auch die beiden Zink-Anoden sind top. Die Schraube ist in gutem Zustand, dreht gut, das Boot hat kaum Bewuchs, keine sichtbaren Schäden auch nicht an den geschweißten Stellen. Die Mitarbeiter kommen mit einem Maßband – die Messung ergibt 7,5m Länge. Na gut – isses doch kleiner als angenommen. Leider kann am Bagger nicht das Gewicht abgelesen werden, das hätte mich ja doch interessiert. Die ganze Aktion ist in 20 Minuten erledigt, wir bezahlen bei der netten Weft-Gattin und um halb zwei sind wir wieder unterwegs, diesmal unerbittlich Richtung Heimathafen und Urlaubsende. Schon bald erreichen wir bekanntes Gewässer und wir fahren über Altsjerk mit der Kinder-Selbstbedienungs-Brücke wieder nach Bartlehiem. Dort sitzen wir mit Monika und quatschen über dies und das und den Urlaub, begrüßen im Gehen den aus Stiens kommenden Hans und machen uns um 18 Uhr auf nach Burdaard, wo wir vor der Brücke anlegen müssen. Wir schauen nach Frans und Wilma, die wir beim Essen aufstöbern. Mit viel erzählen über unsere Tour und die Fahrten der beiden geht der Tag zu Ende und wir verabschieden uns – Essen haben wir noch von gestern. Ich baue noch das Voltmeter für die Lichtmaschine ein und nach dem Essen fallen wir nach einem interessanten und angefüllten Tag ins Bett.

Samstag, 9.9.2017 Wieder hat uns der Regen fest im Griff. Wo kommt nur all das Wasser her. Der letzte Urlaubstag ist angebrochen und keiner von uns hat eine zündende Idee, was mit diesem Tag jetzt anzufangen ist. Wir wollen duschen, spülen, noch Wasser tanken, Staub saugen und uns ein wenig pflegen, also verlegen wir das Boot in den Hafen. Da haben wir auch unsere Ruhe, die Saison geht zu Ende, kaum eine Menschenseele ist hier noch unterwegs. Bevor wir dann anfangen Trübsinn zu blasen ob des zur Neige gehenden Urlaubs beschließen wir rechtzeitig, das Boot in Tergrêft fest zu machen, um dann mit dem Auto nach Dokkum zum Einkaufen und zu den Admiralitätstagen zu fahren, was immer das auch sein mag. Als wir im Auto sitzen, löst sich die Handbremse mit einem vernehmlichen Knall, danach beim Bremsen ein Klack-Klack-Klack hinten rechts. Ungut. Ich schau mir das an und entdecke festgerostete Teile des Bremsbelags auf der Scheibe, gut 1,5cm im Durchmesser, die jetzt mit dem Bremsbelag kollidieren. Mist. Ich fahre vorsichtig unter Bremsvermeidung weiter nach Dokkum. Nach einem kurzen Einkauf beim Lidl laufen wir zu Fuß in die Stadt. Dort heißt die Kirmes mal nicht Fischerei- sondern Admiralitätstage. Aber es gibt eine Vielzahl alter bis antiker Schiffe zu sehen, das ist mal total schön, ein buntes Treiben am Stadthafen, richtig was für’s Auge, eine riesige Bühne mit Laufsteg auf dem Wasser, ein irrer Aufwand, dass man denken mag, gleich treten hier die Stones auf. Gut, wir gehen weiter durch die Stadt, finden eine zur Kneipe mit Bierausschank umfunktionierte Kirche, die bei mir doch sehr gemischte Gefühle hinterlässt und ein weiteres Zelt mit grenzgängiger Amateurmusik. Gleich daneben aber die weltbesten frisch geschnittenen Fritten, die in der Tat super – aber mit 3,50 Euro auch superteuer sind. Wir genehmigen uns ein Bier und einen Apfelsaft und machen uns auf den Heimweg. Auf der Hauptbühne startet der Hauptact, naja, wir gehen schnell weiter. Damit wird Friesland aber mal nicht berühmt. Auf dem Boot gibt’s die Urlaubshenkersmahlzeit, ein wenig gekürzt um den Frittenanteil, der in Dokkum schon angefallen war. Dann noch kurzes Warten auf den Geburtstagsmitternachtsmoment, dann Augenpflege – morgen wartet das Großreinemachen.

Sonntag, 10.9.2017 Wir wollen nicht so arg spät in Witten aufschlagen – Toni will geburtstagstechnisch was vorbereiten, also fällt das Frühstück heute ins Wasser. Ich schaue nach der Bremsscheibe und es gelingt mir die Bremsbelagreste mit der Bürste zu entfernen – das sollte erst mal reichen. Dann wird Paromato nochmal betankt mit 30 Litern Diesel. Das ist wenig für einen 14-Tage-Urlaub mit 27,1 Maschinenstunden und der Tank ist voller als vorher, ich schätze mal den Verbrauch auf etwa 25-27 Liter. Da können wir mal zufrieden sein.

Zum Schluss wechsel ich den Dieselfilter. Vielleicht liegt der wackelige Leerlauf ja an schlechtem Dieselfluss. Eine ziemliche Ferkelei, da beim rausschrauben des alten Filters jede Menge Diesel daneben fließt. Am Ende gelingt das dann aber doch – aber ein Probelauf lässt keine Änderung am Leerlaufverhalten erkennen. Naja – war einen Versuch wert. In der Zwischenzeit hat Karen alles aus- und ins Auto eingeräumt und das Boot klargemacht. Um kurz vor 1 sind wir fertig und sitzen noch kurz bei Hans um die letzte Tasse Capuccino und die letzte warme Chokomelk zu trinken, dann geht es mit der einen oder anderen Träne im Knopfloch zurück nach Hause.

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://www.paromato.de/?p=1006